Störung des Redeflusses- Stottern

Das Stottern ist eine Störung des Redeflusses, die sich durch häufige, ausgeprägte und unwillentliche (d.h. unfreiwillige und nicht ohne Weiteres kontrollierbare) Unflüssigkeiten wie Wiederholungen, Dehnungen und Blockaden beim Sprechen zeigt.

Neben diesen Symptomen, die in ihrer Ausprägung individuell variieren, kann es zu einer

Begleitsymptomatik kommen. Diese kann in Form von körperlicher Anspannung auftreten, zu Vermeidungsverhalten und Sprechängsten führen und den Betroffenen dadurch in seinem Kommunikationsverhalten massiv einschränken.

 

Stottern liegt vor, wenn 3% oder mehr der gesprochenen Silben symptomatische Unflüssigkeiten aufweisen oder Begleitsymptomatik besteht und/oder psychische Reaktionen bestehen.

 

Es muss abgegrenzt werden von normalen Unflüssigkeiten, Poltern, neurogenem Stottern und psychogenem Stottern.

 

Symptome des Stotterns

 

Kernsymptome des Stotterns

 

- Teilwortwiederholungen sind Wiederholungen kleiner Segmente wie Silben oder Laute, die keinen informativen Charakter haben und nicht aus Zeitgewinn erfolgen (Bsp.: "Ka-ka-ka-kannst du...").

 

- Dehnungen bezeichnen Laute, die länger gezogen ausgesprochen werden, als es der erwartbaren Artikulationsdauer entspricht (Bsp.: "Sssssssssag mir bitte...").

 

- Blockierungen sind unfreiwillige Unterbrechungen des Sprechablaufes oder stimmlose Verzögerungen der einsetzenden Stimmgebung (Bsp.: "Ich b---ringe das...").

Dabei unterscheiden sich glottale Blockierungen, bei denen die Stimmlippen sich plötzlich schließen und die Stimmgebung gestoppt wird, artikulatorische Blockierungen, die mit einem Stillstand der Artikulationsbewegungen einhergehen und Blockierungen der Atemmuskulatur, bei denen gleichzeitig die Ein- und Ausatemmuskulatur angespannt wird, sodass der Atemdruck verloren geht.

 

- Komplexe Symptome sind eine Kombination aus den oben beschriebenen Kernsymptomen (Bsp.: "-----Ka-ka----ka-kannst du mir...").

 

Begleitsymptome (Dysfunktionale Coping-Strategien)

 

Viele Begleitsymptome sind unbewusste und automatisierte Strategien, die helfen sollen, mit dem Stottern besser umgehen zu können, weil sie in der Vergangenheit einmal geholfen haben. Sie tragen jedoch häufig zur Aufrechterhaltung des Stotterns bei.

 

- Das Fluchtverhalten hat das Ziel, das Symptom schnell zu überwinden. Z.B. können ein erhöhter Kraftaufwand und eine erhöhte muskuläre Anspannung beim Sprechen sowie mimische oder ganzkörperliche Mitbewegungen wie Stampfen, Hüpfen, Stirnrunzeln, Grimassieren oder Atemauffälligkeiten auftreten.

 

- Das Vorbeugeverhalten hat das Ziel, Symptome zu vermeiden. Z.B. können eine Veränderung der Sprechweise hin zu Flüstern, skandiertem (abgehacktem) Sprechen oder Singsang auftreten. Ebenso symptomatisch ist ein sprachliches Vermeideverhalten, so dass bestimmte Wörter oder Laute vermieden werden, bei denen der Patient häufig stottern muss oder ein situatives Vermeideverhalten, bei dem Situationen, in denen häufig gestottert wird, vermieden werden wie Telefonieren, Vorträge halten o.Ä. Außerdem kann ein Aufschubverhalten vorkommen, bei dem das gefürchtete Wort durch Floskeln, Füllwörter oder dem Wiederholen von Satzteilen oder Wörtern hinausgezögert wird, bis der Patient das Gefühl hat, bei dem Wort nicht mehr stottern zu müssen.

 

- Versuche, mit negativen Emotionen umzugehen sind dysfunktional, wenn sie durch Tabuisierung der Probleme gekennzeichnet sind, das Sprechen immer häufiger vollständig vermieden wird oder wenn Bagatellisierungen stattfinden, bei denen der Patient sich und anderen einzureden versucht, dass alles gut sei und er keine Probleme damit habe, obwohl das nicht seiner empfundenen Realität entspricht.

Mögliche Ursachen

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Der Beginn und Verlauf des Stotterns werden von einer Wechselwirkung verschiedener Faktoren beeinflusst. Die Forschungsbefunde zu den Ursachen sind widersprüchlich und es sind bisher keine differenziellen Unterschiede zwischen stotternden und nichtstotternden Menschen gefunden worden.

 

Daher unterscheidet man derzeit drei Einflussfaktoren auf die Symptomatik: disponierende, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren.

 

Disponierende Faktoren sind Faktoren, die das Auftreten des Stotterns begünstigen.

Darunter fallen genetische Fakktoren, das Geschlecht, das Neuroimaging (stotternde Personen zeigen bei bildgebenden Verfahren andere Aktivierungsmuster im Gehirn), die Hemisphärendominanz sowie Sprachentwicklungsschwierigkeiten.

Intelligenz, Persönlichkeit und Erziehungsstil der Eltern sind als disponierende Faktoren widerlegt.

 

Auslösende Faktoren beeinflussen den Beginn des Stotterns bei vorhandener Disposition. Häufig werden diese Faktoren von den Betroffenen oder Angehörigen fälschlich als ursächlich angesehen. Darunter fallen Veränderung des Lebensumfeldes wie der Beginn des Kindergartens, ein Umzug, die Geburt eines Geschwisterkindes, intrafamiliäre Konflikte oder längere Krankenhausaufenthalte.

 

Aufrechterhaltende Faktoren sind für die Chronifizierung und Stabilisierung des Stotterns verantwortlich. Darunter fallen beide o.g. Faktoren, negative Reaktionen des Betroffenen oder seines Umfeldes, Perfektionismus oder Überforderung, umweltbedingte Belastungen wie psychosozialer Stress, ungünstiges Zuhörverhalten mit Unterbrechungen, Ungeduld, unablässiges Fragen oder Belehren, ungünstige Sprachvorbilder (die schnell sprechen, ein unangemessen hohes linguistisches Niveau haben, sehr laut oder leise sprechen), Sprechen unter Zeitdruck sowie die o.g. dysfunktionale Coping-Strategien, da sie zu sich selbst verstärkenden Kreisläufen führen. Zum Beispiel wird Ankämpfverhalten durch darauf folgendes flüssiges Sprechen belohnt und stabilisiert, so dass man sich immer weiter verspannt und "verkrampft". Eine entstehende Angst vor dem Stotterereignis führt zu erhöhter Anspannung, die wiederum die Stotterwahrscheinlichkeit erhöht und damit die Angst vor dem Stotterereignis bestätigt und darüber festigt.

Logopädische Therapie

Wir führen neben einem ausführlichen Anamnesegespräch eine differenzierte Diagnostik

zur Erhebung der Häufigkeit und Schwere der Kernsymptomatik und möglicher Begleitsymptome durch. Dies ermöglicht uns die Schwere der Störungen einschätzen zu können und individuelle Therapieziele abzuleiten.

Im Anschluss erfolgt i.d.R. eine Erstberatung unabhängig von der Therapiebedürftigkeit der Symptomatik, in der die Diagnose und die Befundergebnisse besprochen sowie allgemeine Informationen über das Stottern, der Häufigkeit, Entstehungsmodelle, Kern- und Begleitsymptomatik, Besonderheiten beim Stottern und unterschiedlicher Therapiemöglichkeiten vermittelt werden. Eine Heilung kann aus seriöser Sicht nicht versprochen werden.

 

Bei nicht behandlungsbedürftigem Stottern vermitteln wir die o.g. Basisinformationen, warum z.Zt. keine Therapie notwendig erscheint, Informationen zur Prognose und möglichen Verläufen sowie die Kriterien für eine Wiedervorstellung.

 

Bei behandlungsbedürftigem Stottern vermitteln wir ebenfalls die Basisinformationen, Therapiemöglichkeiten und die Prognose.

 

Es gibt sehr unterschiedliche Therapieansätze, die verschiedene Ziele verfolgen. Übergeordnete Ziele sind jedoch immer, einen optimalen Umgang mit der Symptomatik zu finden und beim kindlichen Stottern die Heilung zu begünstigen.

Dies beinhaltet die direkte Therapie an der Symptomatik mit dem Ziel, das Ankämpf-, Vermeide- oder Fluchtverhalten abzubauen bzw. vorzubeugen und eine Sprechflüssigkeit herzustellen. Je nach Therapieansatz wird eine spontane oder eine kontrollierte Sprechflüssigkeit hergestellt oder das akzeptabe Stottern angebahnt, d.h. anstrengungsfrei und ohne negative Gefühle oder Begleitverhalten zu sprechen.

 

Außerdem beinhaltet die Therapie den Abbau psychischer Reaktionen durch Enttabuisierung, Desensibilisierung und Aufbau von Selbstakzeptanz als stotternde Person sowie die Therapie von Risikofaktoren wie z.B. Sprachentwicklungsstörungen.

Hierbei werden auch Telefon- und In-Vivo- Übungen in Absprache mit dem Patienten eingesetzt.

 

Zusätzlich kommen auch Atemtechniken und Entspannungsverfahren sowie Stimmübungen zum Einsatz.

 

In einem Beratungsgespräch suchen wir gemeinsam mit den Patienten und ihren Angehörigen den passenden Ansatz heraus. Dabei unterscheiden sich indirekte Ansätze, direkte Ansätze und Kombinationen aus beiden. Ebenfalls unterschieden sich Ansätze, die die Stottersymptome gezielt bearbeiten und welche, die die gesamte Sprechweise soweit modifizieren, dass das Stottern nicht mehr auftreten kann. Welche Methode am erfolgsversprechensten ist, hängt immer von den individuellen Zielen und Bedürfnissen des Patienten ab.

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